Nicht mein Tag

Kino-Kritik: Die neue Action-Komödie

Deutschlands Kultregisseur Peter Thorwarth haut endlich wieder eine Action-Komödie raus. Nach seinen urkomischen Werken der ‚Unna-Trilogie’ „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Goldene Zeiten“, bewegte er sich als Drehbuchautor mit dem Drama „Die Welle“ auf ernsterem Terrain. Nun also wieder Action-Klamauk, worauf seine Fans seit Jahren sehnsüchtig gewartet haben. Doch ob die Komödie um Bankräuber Bleibtreu und den Bankkaufmann Stein das Zeug hat, um an damalige Erfolge anzuknüpfen und, mehr noch, einen ähnlichen Kultstatus beim Zuschauer zu erreichen?

Darum geht’s:

Der biedere Bankberater Till Reiners (Axel Stein) hat mal wieder keinen guten Tag. Er ist gelangweilt. Von seinem Job, seinem kleinstädtischen Leben und von sich selbst. Und er ist frustriert von seiner Ehe mit Miriam (Anna Maria Mühe), die irgendwo zwischen Alltagstrott und Windelwechseln ihr Feuer verloren hat. Soll das wirklich schon alles gewesen sein, was das Leben ihm zu bieten hat? Doch dann kommt plötzlich alles ganz anders. Denn eines Tages überfällt Gelegenheitsgangster Nappo (Moritz Bleibtreu) Tills Bank – und nimmt ihn als Geisel. Dadurch wird eine wahnwitzige Kette von unvorhergesehenen Ereignissen in Gang gesetzt, die Tills und Nappos Leben in nur 48 Stunden kräftig durcheinanderwirbelt. Denn wie sich bald herausstellt, steckt im vermeintlichen Spießer Till weit mehr, als Nappo jemals ahnen konnte. Der Rest ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und des schlimmsten Tages aller Zeiten ...

Das ist gut:

Wer die Art des Filmemachens von Peter Thorwarth liebt, wird dessen Handschrift erfreulicherweise auch in „Nicht mein Tag“ finden. Und so findet man sich stimmungsvoll in der vierten Ruhrgebiets-Komödie wieder, die zumindest Fans an alte Zeiten erinnern wird. Dass dem so ist, liegt abermals am hervorragenden Cast. Neben Moritz Bleibtreu und Axel Stein in den Hauptrollen sowie Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe und Nele Kiper, sind auch Til Schweiger und Ralf Richter in Nebenrollen vertreten. Wobei ganz klar Bleibtreu und Stein Beeindruckendes auf die Leinwand zaubern. Was gefällt ist die schwungvolle Gangart, die der Film an den Tag legt. Es ist nämlich keiner dieser Weichspülstreifen aus deutschen Landen, die den Markt überschwemmen. Ein überaus amüsantes und fetziges Road Movie im Stile Thorwarths, mit den erwartet rüden bis abgedrehten Dialog-Attacken. Obendrein grandios sind die vielen kleinen, aber nie dem Film undienlichen Anspielungen auf Thorwarths-Komödienklassiker.

Das ist schlecht:

Der Film startet gut, hat aber zur Mitte hin einige Längen, die nicht unbedingt stören, aber hätten vermieden werden können. Wer die gleichnamige Romanvorlage von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann kennt, dem wird negativ auffallen, dass man sich nicht an die Essenz des Buches gehalten hat, die wesentlich mehr in Richtung Tragikomödie geht. Aber hey, das war bei Peter Thorwarth zu erwarten, der immer sein eigenes Ding dreht. Außerdem muss erwähnt werden, dass der Humor und Stil Thorwarths eben nicht jedermanns Sache sind. Insbesondere mit dem schrägen und teils flachen Humor kann sicher nicht jeder Zuschauer etwas anfangen, weshalb auch kritische Stimmen nicht verwundern dürften.

Mit viel Liebe und einem Herz für Details hat Peter Thorwarth eine neue Actionkomödie erschaffen. Der Streifen kommt zwar nicht ganz an den Kult seiner vergangenen Filme heran, aber er ist definitiv nicht minder sehenswert. Allen voran das Hauptdarstellerduo mit Bleibtreu und Stein, das in einer toll inszenierten Story zur Hochform aufblüht. Dieser Film besitzt einen hohen Unterhaltungswert und gehört ganz klar zu den guten deutschen Actionkomödien. „Nicht mein Tag“ ist eine stimmungsvolle, rasante Achterbahnfahrt, die Thorwarth-Fans genießen werden. Auch wenn dieser Film für die breite Masse zugänglicher ist, als frühere Streifen aus dem Hause Thorwarth, so ist und bleibt die Art und Weise ein Ding des Liebens oder Hassens. Von mann.tv-Seite gibt es gewiss durchweg echte Ruhrpott-Liebe für „Nicht mein Tag!“!

| Erik Rössler